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🟠 China schnappt sich Amerikas KI-Talente

Asiabits News

Chinas KI-Wende: von der Fabrikhalle zur menschenähnlichen Maschine

Yao Shunyu ist 28. Vor einem Jahr war er Forscher bei OpenAI in San Francisco. Heute leitet er die KI-Forschung bei Tencent, und vergangene Woche in Peking nannte er sein Ziel ganz offen: eine Maschine, die wie ein Mensch denkt, made in China.

Im Dezember legte Tencent sein altes AI Lab still und übergab Yao den kompletten Bereich. Er berichtet direkt an Präsident Martin Lau und leitet drei neue Einheiten für KI-Infrastruktur und Daten, die eigens um ihn herum aufgebaut wurden.

Das Budget passt zur Ansage. Tencent verdoppelt seine KI-Ausgaben von 18 Milliarden Yuan im Vorjahr auf über 36 Milliarden in diesem Jahr, rund 5 Milliarden Dollar.

„Ich glaube nicht, dass ChatGPT oder Claude die einzige Super-App sein wird."

Yao Shunyu, Tencent

Seine Logik ist schlicht: Der große Preis ist noch zu haben. Die nächste dominante KI-App sei noch nicht gebaut, sagt er, und dahinter stecke ein Wert in Billionenhöhe.

Yao ist kein Einzelfall

Dieselbe Bewegung läuft bei den anderen großen Namen Chinas.

  • Alibaba: Hao Zhou, Mitentwickler von Googles Gemini 3, leitet seit März das Post-Training der Qwen-Modelle.

  • ByteDance: Wu Yonghui, früher Forschungs-Vizepräsident bei Google DeepMind, führt das KI-Labor Seed.

  • Moonshot: Yang Zhilin, Kopf hinter dem Kimi-Modell, kommt von Meta AI und Google Brain.

Der Schub kommt aus Washington. Seit September verlangt die US-Regierung 100.000 Dollar Gebühr für ein neues H-1B-Arbeitsvisum, dazu kommen gekürzte Forschungsgelder und 17 Prozent weniger neue Auslandsstudenten im Herbst.

Peking kontert mit einem neuen K-Visum, das ohne Arbeitgeber als Sponsor auskommt.

Bei alledem stehen die Amerikaner weiterhin an der Spitze. Im weltweiten Modell-Ranking führt Anthropics Claude, dahinter xAI, Google und OpenAI, erst danach kommen Alibaba und DeepSeek.

Doch der Abstand ist klein geworden. Das beste chinesische Modell liegt nur noch 2,7 Prozent hinter dem besten amerikanischen, vor drei Jahren waren es über 17.

Und diesen Vorsprung halten die USA mit dem 23-fachen an KI-Investitionen. China holt mit wenig Geld auf, und kauft sich jetzt zusätzlich die Köpfe ein.

Während Yao in Peking aufs Tempo drückt, mahnt Anthropic in San Francisco zur Vorsicht. Am Donnerstag warnte das Labor, die besten Modelle näherten sich dem Punkt, an dem sie sich selbst verbessern, ohne dass ein Mensch noch eingreift, und rief die Branche zu einer Pause auf.

UNSER CONTENT PARTNER: LIMEN CHINA

Deutschlands unterschätztes China Asset

Der Fünfjahresplan macht Producer Services zu einem strategischen Hebel für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Für deutsche Unternehmen können daraus neuen Chancen erwachsen. Wenn man China-Speed kann.

ASIABITS SHENZHEN INNOVATION NIGHT

100 Gründer, ein Raum, jede Menge WeChat-Adds

Vor ein paar Wochen kam eine E-Mail vom CDTM bei uns rein.

Falls euch der Name nichts sagt: Das ist das gemeinsame Elite-Programm für Technologie und Management von TU München und LMU, 25 Studenten pro Semester aus über 300 Bewerbern, mit Alumni, die später Personio, Trade Republic, Freeletics und rund 230 weitere Firmen aufgebaut haben.

Sie wollten nach China kommen und chinesische Gründer treffen. Und genau dafür gibt es Asiabits überhaupt: die besten Leute von beiden Seiten in einen Raum holen und den Rest laufen lassen.

Bei unserer Shenzhen Innovation Night letzte Woche standen 100 Gründer unter einem Dach, Deutsche und Chinesen, Seite an Seite.

Wir hatten Panel-Talks zu den Themen AI zwischen Shenzhen und San Francisco, und China-Innovation gegen Europa-Innovation.

Und natürlich durften Roboter vor Ort auch nicht fehlen: ein Franka-Roboterarm gehörte zu den Highlights des Events.

Was für ein Abend! Oder, wie wir es auf LinkedIn geschrieben haben: ein Austausch von Ideen, ein Austausch von WeChat, ein Austausch von Blicken.

Und der nächste kommt. Wir planen schon das Folge-Event in Shanghai für Ende Juli.

CHART OF THE WEEK

471 Milliarden Dollar, mehr als der Rest der Welt zusammen: Beim KI-Geld spielen die USA in einer eigenen Liga.

Nur zahlt sich der Vorsprung kaum noch aus. China steckt einen Bruchteil rein und liegt beim besten Modell nur noch 2,7 Prozent zurück.

5 STORIES YOU MISSED LAST WEEK

🇰🇷 Jensen Huang in Asien auf Speicher-Tour: Nvidia-Chef Jensen Huang war letzte Woche Asiens meistbeachteter Mann. Auf der Computex in Taipeh lud er die Bosse von SK Hynix, Samsung und LG ein, nannte Korea "unverzichtbar für unser Ökosystem" und schrieb "Please make more" auf einen Wafer von SK Hynix. SK Hynix, jetzt über eine Billion Dollar wert und mit 58 Prozent des HBM-Markts, liefert den Speicher für Nvidias Vera-Rubin-Plattform und verdoppelt bis 2030 die Kapazität. Samsung konterte mit einem HBM5-Mockup. Dann flog Huang nach Seoul, kürte Robotik zu Koreas "nächstem Sektor" und sprach mit Hyundai über ein AI-Zentrum.

🇨🇳 Chinas AI-Boom prallt gegen die Strom-Wand: China baut Rechenleistung schneller, als es den sauberen Strom dafür liefern kann, und beides läuft gefährlich auseinander. Rechenzentren schlucken weltweit schon rund 415 Terawattstunden, gut 1,5 Prozent des gesamten Stroms, und die IEA erwartet bis 2030 eine Verdopplung auf 945 TWh, viermal schneller als der übrige Verbrauch. Allein China frisst davon heute ein Viertel und steuert bis Ende des Jahrzehnts auf 500 bis 700 TWh zu. Pekings neuer Fünfjahresplan macht Ökostrom plus Rechenleistung zur nationalen Priorität, doch das Netz ist der Engpass.

🇰🇷 Koreas 100-Prozent-Rally bekommt erste Risse: Der Kospi hat sich 2026 verdoppelt, getragen von Samsung und SK Hynix. Am 1. Juni schloss er auf einem Rekord von 8.788, Goldman hob das Kursziel auf 12.000. Dann kam der Wackler. Am 5. Juni sackte er zeitweise um 6,4 Prozent ab, beide Chipriesen verloren über 7 Prozent. Solche Ausschläge gab es zuletzt im Crash 2008, und sie zeigen, wie sehr der Index auf Pump und auf nur zwei Aktien steht. Ausländer verkauften im Mai rekordhohe 44,7 Billionen Won (30 Mrd. Dollar), und mit drohender Zinserhöhung steht die heißeste Rally der Welt vor ihrem ersten Test.

🇨🇳 BYD schwächelt daheim, boomt im Ausland, baut Roboter: BYD verkaufte im Mai 383.453 Fahrzeuge, kaum mehr als vor einem Jahr, aber genug, um acht Monate Talfahrt zu beenden. Getragen hat das der Export: ein Rekord von 160.644 Wagen, plus 80 Prozent und 42 Prozent aller Verkäufe. Konkurrent Chery genauso: 181.571 Stück ins Ausland. Daheim steht das Jahresvolumen im Preiskrieg weiter 20 Prozent im Minus. Deshalb wirbt BYD bei Stellantis um europäische Werke und peilt 1,3 Millionen Auslandsverkäufe an. Obendrein kommen Haushaltsroboter, vertrieben über die eigenen Autohäuser.

🇨🇳 Ausländische Marken ziehen sich aus China zurück: General Mills verkauft seine Häagen-Dazs-Eisdielen in Festlandchina an ein Konsortium um Ningji, eine lokale Zitronentee-Kette mit 3.000 Läden und ByteDance im Rücken. Die Amerikaner behalten das Supermarktgeschäft, die Eisdielen gehen an die Locals. Das passt ins Muster. Im April verkaufte Starbucks 60 Prozent seines China-Geschäfts für 4 Mrd. Dollar an Boyu Capital, und diesen Monat schließt Singapurs Food Republic seinen letzten Pekinger Food Court, neben Ikea, Guess und Galeries Lafayette.

EBENFALLS LETZTE WOCHE

Blackstone hat 13,1 Mrd. Dollar für seinen bislang größten Asien-Private-Equity-Fonds eingesammelt, über dem 10-Mrd.-Ziel und mehr als doppelt so viel wie beim Vorgänger, mit Indien und Japan im Fokus. Wochen nach EQTs 15,6-Mrd.-Asienfonds ein Zeichen, dass globales Kapital in die Region rotiert.

Xi Jinping reist nächste Woche nach Nordkorea zu Kim Jong Un, seine erste Pjöngjang-Reise seit 2019 und seine erste Auslandsreise des Jahres. Sie folgt auf die Besuche von Trump und Putin in Peking. Washington hofft, dass Xi Kim zurück an den Atom-Verhandlungstisch bewegt.

Der US-Handelsbeauftragte hat Zölle von 10 Prozent und mehr gegen 60 Handelspartner vorgeschlagen, wegen lascher Durchsetzung gegen Zwangsarbeit. China, Japan und Südkorea drohen 12,5 Prozent, Großbritannien, der EU und Taiwan 10 Prozent. Rindfleisch, Tomaten und Kaffee sind ausgenommen.

TSMC-Chef C.C. Wei warnte, die weltweite Chip-Versorgung werde der AI-Nachfrage "noch jahrelang" hinterherhinken, selbst mit den neuen US-Werken, und bekräftigte die Prognose von über 30 Prozent Umsatzwachstum für 2026. Die Hyperscaler dürften dieses Jahr rund 725 Mrd. Dollar für AI ausgeben.

Die SoftBank-Aktie rutschte in einem breiten Tech-Ausverkauf um rund 11 Prozent ab, der auch TSMC, Foxconn, Samsung und SK Hynix traf. Als nun wertvollstes Unternehmen Japans, vorbei an Toyota, gerät SoftBank wegen Masayoshi Sons gewaltiger, kaum abgesicherter AI-Wette unter Beobachtung.

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