🟠 China: Roboter bauen Roboter

Schaeffler lässt in China Roboter Gelenke für Roboter bauen

© Asiabits Visuals

In einer neuen Fabrik bei Shanghai bauen Roboter an ihren eigenen Nachfolgern. Sie montieren Gelenke für weitere Humanoide. Dahinter steht der deutsche Auto- und Industriezulieferer Schaeffler.

Am 20. Oktober hat Schaeffler die neue Fabrik in Taicang eröffnet. Sie verbindet die Fertigung von Roboterteilen mit dem Training der Maschinen.

Vom Autoteil zum Robotergelenk

Ein Roboter braucht mehr als eine schlaue Software. Damit er einen Arm heben oder ein Werkstück greifen kann, muss die Bewegung präzise auf die Mechanik übertragen werden. Dafür liefert Schaeffler die Antriebe in den Gelenken.

Das Geschäftsmodell ist aus dem Autobau vertraut: Wer die Bauteile liefert, kann an vielen Herstellern verdienen. Schaeffler muss dafür keinen eigenen Roboter zur bekanntesten Marke machen.

In Taicang übernehmen die sechs Humanoiden Aufgaben an fünf Stationen. Sie sortieren und montieren Teile, prüfen sie und verpacken sie anschließend. Parallel lernen Roboter dort weitere Fabrikaufgaben, etwa Material nachzuliefern oder Bauteile zu kontrollieren.

Die Verbindung ist praktisch: Was im Training funktioniert, lässt sich direkt in der Fertigung erproben. Dabei misst Schaeffler unter anderem die Genauigkeit und die Dauer einzelner Arbeitsschritte.

400 Millionen Euro für das nächste Geschäft

Wie weit das Geschäft bereits reicht, zeigen Schaefflers jüngste Zahlen. Zwei neue Kunden aus der Region Greater China haben den weltweiten Auftragseingang in der humanoiden Robotik auf rund 400 Millionen Euro erhöht. Das sind bestellte Leistungen, deren Umsatz erst mit der Umsetzung entsteht.

Schaeffler sitzt dabei auf beiden Seiten des Geschäfts. Das Unternehmen verkauft Roboterkomponenten und erprobt die Maschinen für die eigene Produktion. Mit Hexagon plant es den Einsatz von mindestens 1.000 Humanoiden in den kommenden Jahren. Im August begann das Training des Modells AEON in Schaefflers Trainingszentrum in Deutschland.

Ob sich der Einsatz rechnet, müssen die Maschinen im Alltag beweisen. Zu den Stückkosten oder zur Amortisation der neuen Linie nennt Schaeffler bisher keine Zahlen.

In der Autofabrik der Zukunft könnte Schaeffler an beidem verdienen: an den Teilen im Auto und an den Robotern, die es bauen.

 

LIEBER SCHAUEN ALS LESEN?

© Asiabits

Why Uber Is Betting on Chinese Robotaxis

  • Warum Uber auf Pony.ai setzt und welche Robotaxi-Tests in Großbritannien geplant sind.
  • Wie Südkorea 20 Humanoide an vier Industriestandorten erproben will.
  • Wie Japans Kachaka Evo vorhandene Fabrikwagen bewegt und Kawasaki einen Humanoiden das Heben üben lässt.

 

 

HINTER DEN KULISSEN

© Asiabits

Willkommen im Team, Leona!

Leona Cheng verstärkt Asiabits als Head of Partnerships in Shanghai. Wenn ihr mit uns eine Chinareise plant, werdet ihr sie bald kennenlernen.

Sie kommt von der Deutschen Handelskammer in Shanghai und hat zuvor NewMe gegründet. Bei Asiabits plant sie Innovationsreisen und knüpft Partnerschaften rund um Robotik, KI und Automatisierung. Dafür bringt sie unsere Kunden mit passenden Unternehmen zusammen und sorgt für reibungslose Besuche vor Ort.

Außerdem läuft Leona Marathon und gibt Kurse bei MyBarre. Die sportlichen Ansprüche im Team dürften damit gestiegen sein.

Willkommen, Leona!

Ihr plant eine Chinareise? Hier findet ihr unsere individuellen Touren.

 

 

UNSER CONTENT PARTNER: LIMEN CHINA

Henry Huiyao Wang und René Ruschmeier

© Limen China

Chinas Angebot an Europas Industrie

Henry Huiyao Wang schlägt vor, bestehende Unternehmenspartnerschaften für chinesische Investitionen und neue Technologien an deutschen Industriestandorten zu nutzen. Im Gespräch mit René Ruschmeier erläutert der Präsident des Center for China and Globalization seine Vorschläge und seine Erwartungen an Europa. Auch Subventionen, Wechselkurse und Chinas schwache Binnennachfrage kommen zur Sprache.

Das vollständige Interview mit kompakten redaktionellen Einordnungen eröffnet einen Einblick in Wangs wirtschaftspolitisches Denken.

 

UNSER PARTNER

© Humanoid Europe 2026

Wie sicher ist ein Humanoid neben Menschen?

Wer Roboter im eigenen Betrieb testen will, muss klären, wie sie mit Menschen zusammenarbeiten und welche Sicherheitsanforderungen gelten. Humanoid Europe 2026 am 5. und 6. November in München bringt dafür Fachleute von Unitree, Bosch und Fraunhofer zusammen. Auf dem Programm stehen funktionale Sicherheit, Cybersicherheit und Anwendungen in Fertigung und Logistik.

Asiabits unterstützt die Veranstaltung als Affiliate-Partner. Über unseren Partnerlink könnt ihr bis zum 5. November einen Rabattcode für 15 % auf alle Ticketarten freischalten, einschließlich des Online-Tickets.

 

 

INFOGRAFIK DER WOCHE

© Asiabits Visuals

China bleibt mit Abstand der größte Stahlproduzent. 2025 stellte das Land 960,8 Millionen Tonnen Rohstahl her, knapp zwölfmal so viel wie Japan mit 80,7 Millionen Tonnen.

Auch die Rangliste der Stahlkonzerne führt ein chinesisches Unternehmen an. China Baowu produzierte 2025 laut worldsteel 124,8 Millionen Tonnen, gefolgt von ArcelorMittal mit 63,4 Millionen Tonnen.

 

 

REPORT DER WOCHE

© RoboSelect360

RoboSelect360, Beyond the Demo: Der englische Bericht untersucht 34 humanoide Roboter. Für 26 rekonstruiert er Komponentenlisten; von 57 dokumentierten Beobachtungen fanden zwölf bei Kunden statt und betrafen fünf Robotermodelle. Keine dieser Beobachtungen belegt nach der Definition des Berichts einen wiederkehrenden täglichen Betrieb beim Kunden. Report als PDF auf Englisch herunterladen.

Einordnung: Für einen Pilotkauf lohnt es sich, einen datierten Einsatznachweis, den Anteil menschlicher Fernsteuerung und die laufenden Betriebskosten anzufordern. Solche Fragen lassen sich gezielt in die Vorbereitung unserer Herstellerbesuche in China aufnehmen.

 

 

5 STORIES YOU MISSED LAST WEEK

🇨🇳 Storm-0940 greift über 2.250 Cloud-Umgebungen an: Microsoft hat eine Angriffskampagne einer Gruppe untersucht, die Microsoft selbst als mit China verbunden einstuft. Die Angreifer nutzten KI-Agenten und gestohlene Zugangsdaten von ConnectWise-Anwendungen, um mehr als 2.250 Microsoft-365-Kundenumgebungen zu erreichen. In mehreren Fällen vergingen vom ersten Angriff bis zum Zugriff mit erhöhten Rechten weniger als drei Stunden. Ein erfolgreicher Login belegt dabei noch keinen Datendiebstahl. Für Unternehmen lohnt sich eine Prüfung, welche externen Anwendungen weitreichende Zugriffsrechte auf ihre Cloud besitzen.

🇸🇬 Temasek erwartet 368 Mrd. $ digitales Geschäftsvolumen: Google, Temasek und Bain rechnen für Südostasiens Digitalwirtschaft 2026 mit einem Wachstum von 17 %. Ihr neuer Bericht beziffert die Zahl der Menschen, die generative KI nutzen, auf 243 Millionen oder 58 % der arbeitenden Bevölkerung. Unternehmen mit KI als Kernprodukt vereinten zuletzt 80 % des Finanzierungsvolumens für digitale Anwendungen auf sich. Die Schätzung zum Geschäftsvolumen umfasst unter anderem E-Commerce und Reisebuchungen und ist keine Umsatzangabe für KI-Anbieter. Wer in der Region verkauft, sollte prüfen, wie seine Produkte in KI-gestützten Kaufvergleichen auftauchen.

🇯🇵 Toshiba entwickelt zwei KI-Verfahren für Fabrikgeräusche: Eine neue Technik soll Maschinen- und Alarmgeräusche anhand weniger hinterlegter Beispiele erkennen. Eine zweite nutzt korrigierte Transkripte, um Fachbegriffe und Eigennamen besser zu verstehen. In Toshibas Versuchen sank die an das Sprachmodell übergebene Textmenge um 70,9 % bei englischen und 71,7 % bei japanischen Aufnahmen, während sich die Erkennung der Schlüsselwörter verbesserte. Das Unternehmen sieht Anwendungen in Wartung, Anlagenüberwachung und Arbeitsberichten. Für Fabrikbetreiber ist das ein Ansatz, vorhandene Geräuschdaten und Korrekturen ihrer Fachkräfte für die Automatisierung zu nutzen.

🇰🇷 LG überträgt Fabriktechnik nach zwei Jahren auf Kraftwerke: LG Electronics und K-water wollen am Gezeitenkraftwerk Sihwa KI, Roboter und ein digitales Abbild der Anlage erproben. Die Partner haben dazu eine Absichtserklärung geschlossen. Vorgesehen sind unter anderem Prognosen zur Stromerzeugung, Zustandsdiagnosen und automatisierte Kontrollgänge. LGs Geschäft mit intelligenten Fabriken besteht seit zwei Jahren; die neue Zusammenarbeit erweitert den möglichen Einsatz auf öffentliche Infrastruktur. Betreiber ähnlicher Anlagen können daraus eine konkrete Testfrage ableiten: Welche Inspektion lässt sich anhand vorhandener Betriebsdaten zuerst automatisieren?

🇨🇳 Chinas Industrieministerium plant rund 400 CO₂-Standards: Ein neuer Umsetzungsplan soll bis 2030 Regeln für den CO₂-Fußabdruck wichtiger Industrieprodukte schaffen. Außerdem sind rund 500 nationale Null-Emissions-Fabriken und Rechenanlagen vorgesehen. Der CO₂-Ausstoß je Einheit industrieller Wertschöpfung soll bei größeren Betrieben gegenüber 2025 um mehr als 17 % sinken, der Energieverbrauch um mehr als 10 %. Das sind politische Ziele. Für Einkäufer wird damit die Frage dringlicher, welche Lieferanten ihren Stromverbrauch und die Emissionen einzelner Produkte bereits nachvollziehbar dokumentieren können.

 

 

AUCH LETZTE WOCHE

🇰🇷 LG Uplus und Ericsson testen dreifache Verbindungsdistanz: Die Partner haben eine Verbindung zwischen Funk- und Recheneinheiten von Mobilfunkbasisstationen erprobt, die eine bis zu dreifache Entfernung gegenüber der bisherigen Lösung ermöglicht. Das kann Netzbetreibern mehr Spielraum geben, Rechentechnik an weniger Standorten zu bündeln und ihre Infrastruktur auf KI-gestützte Netze vorzubereiten.

🇯🇵 Toshiba wählt zwei Unternehmen für neue Anwendungen aus: Mit Dynamic Map Platform prüft der Konzern den Einsatz straßenseitiger Lasersensoren für autonomes Fahren; mit Arithmer verbindet er Wetterdaten und KI. Die beiden Kooperationen umfassen zunächst Tests und eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, bevor über eine Vermarktung entschieden wird.

🇸🇬 Singapur und Großbritannien vertiefen beim elften Finanzdialog die KI-Zusammenarbeit: Auf der Agenda standen unter anderem Schutzvorkehrungen für KI-Agenten bei Finanzaufgaben, digitale Wertpapiere und quantensichere Verschlüsselung. Für Anbieter von Finanzsoftware gehören kontrollierbare Zugriffsrechte und nachvollziehbare Agentenaktionen damit früh in die Produktplanung.

 

 

DEIN FEEDBACK

Wie fandest du die heutige Ausgabe?

Login oder Abonnieren um an umfragen teilzunehmen.