🟠 US-China: Decoupling? Nein.

Asiabits News

Beim KI-Glas verbünden sich USA und China

Vor gut einer Woche saß Donald Trump in der Großen Halle des Volkes, als erster US-Präsident seit zehn Jahren auf Staatsbesuch in Peking.

Das beherrschende Thema: wie weit sich die USA und China technologisch wirklich voneinander lösen.

Diese Woche kam die Antwort ausgerechnet aus der Glasindustrie.

Corning, der amerikanische Konzern hinter dem Schutzglas auf Millionen Smartphones, hat sich mit BOE zusammengetan, Chinas größtem Display-Hersteller.

Am 20. Mai unterschrieben beide einen Rahmenvertrag über drei Jahre. Zusammengearbeitet haben sie schon über zwei Jahrzehnte, jetzt nehmen sie sich vier neue Felder vor: Trägerglas für KI-Chips, faltbares Glas, Glas für Perovskit-Solarzellen und optische Verbindungen.

Die Börse reagierte sofort. Die BOE-Aktie sprang in Shenzhen um zehn Prozent ans Tageslimit, den größten an einem Tag erlaubten Gewinn.

Die Ironie: In derselben Woche erklärte Nvidia-Chef Jensen Huang, sein Anteil am chinesischen KI-Chip-Markt sei praktisch auf null gefallen. Während der eine US-Konzern China abschreibt, steigt der andere tiefer ein.

Der eigentliche Punkt ist die Aufgabenteilung. Corning beherrscht das Glas, das die Hitze aushält und Chips besser verbindet als die heutigen Trägermaterialien; BOE kann es schnell und in der Masse fertigen. Für die nächste KI-Hardware braucht jede Seite genau das, was die andere hat.

Genau diese Schicht lässt sich nicht sauber durchschneiden.

Noch ist das nur eine Absichtserklärung. BOE steckt seit 2024 rund eine Milliarde Yuan in die Perovskit-Forschung, doch in Serie läuft davon nichts, und Umsatz bringt es bisher keinen.

Für alle, die gerade auf die Pressekonferenzen schauen, liegt die Lehre eine Ebene tiefer.

Auf der Politikbühne geht es um Trennung. Im Werkstoff, ein paar Schichten unter dem Chip, läuft die Verflechtung einfach weiter.

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FOUNDERS INSIGHTS

„Wenn ich Leuten im Westen helfe, mit echter chinesischer Technologie Geld zu verdienen, dann glauben sie es vielleicht endlich."

Diesen Schluss zog Rafael Ratzel, als ihn langjährige Freunde in der Corona-Zeit immer wieder „brainwashed" nannten.

Wie wird aus einem 19-Jährigen mit One-Way-Ticket nach Hongkong der Partner eines Tsinghua-Deep-Tech-Fonds über 100 Millionen Dollar?

Im August 2008 landete Rafael mit einem Koffer in Hongkong, am Tag des größten Taifuns der Stadtgeschichte.

Aus dem geplanten St.-Gallen-Studium wurde ein Vollstipendium an der PolyU, später ein MBA an der Tsinghua. Sechs Jahre lang war er für europäische Industriekunden in Shenzhen „der Typ in China, der Probleme löst". Danach stieg er bei TH Capital als ganz normaler Analyst ein.

Heute ist er dort Managing Partner International. Doch zu Hause in Europa wuchs mit jedem Besuch die Skepsis.

Worte überzeugten niemanden. Geld vielleicht schon.

  • Sein erster Dollar-Fonds wurde Ende 2024 bei 100 Millionen Dollar geschlossen, mit Investoren aus Deutschland, der Schweiz, dem Nahen Osten, Südostasien und den USA.

  • Im Portfolio: Zhipu AI, von der Angel-Runde bei 800 Millionen RMB bis zum 50-Milliarden-Dollar-Börsengang in Hongkong.

Statt weiter zu argumentieren, lud er seine Investoren nach China ein. Sein liebstes Beispiel:

👉🏻 Erstes Investorentreffen nach Fondsschluss, drei Tage durch Shenzhen, Shanghai und Peking, Besuch von zwölf Portfolio-Firmen. Die meisten waren vorher nie im Land. Am Ende der Reise sagten sie: „Das ist unglaublich. So hatten wir uns das nicht vorgestellt."

Heute werben genau diese Investoren in Europa selbst für China. „Und denen glaubt man. Die gelten ja nicht als brainwashed."

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CHART OF THE WEEK

China baut immer mehr eigene Roboter, kommt aber nicht von Japan los.

2024 stammten erstmals 57% der in China verkauften Industrieroboter von heimischen Herstellern.

Trotzdem liefert Japan rund drei Viertel der Importe: Es kontrolliert etwa 75% der weltweiten Präzisionsgetriebe und die High-End-Roboter fürs Schweißen und die Chipfertigung, die China noch nicht in Serie bauen kann.

2025 zogen die Importe wieder an, getrieben von neuen E-Auto-, Batterie- und Halbleiterwerken.

5 STORIES YOU MISSED LAST WEEK

🇨🇳 CATL steigt bei DeepSeek ein: CATL, der weltgrösste Batteriehersteller, verhandelt über einen Einstieg in die erste externe Finanzierungsrunde von DeepSeek. Ziel sind rund 50 Mrd. Yuan (7,36 Mrd. USD) und eine Post-Money-Bewertung von weit über 350 Mrd. Yuan. Die Runde könnte schon im Juni schliessen. JD.com und NetEase verhandeln ebenfalls über Tranchen. CATL will Stromversorgungs-Equipment in den Ausbau der AI-Rechenzentren verkaufen, dieselbe Logik wie damals beim Einstieg in die Fahrzeugmontage. Mit CATL wird DeepSeek nicht nur das am besten finanzierte AI-Lab des Landes, sondern auch das am engsten mit Chinas Energie-Infrastruktur verzahnte.

🇨🇳 Chinas größter Chip-Auftragsfertiger holt sein Beijing-Werk ins Haus: Chinas Börsenaufsicht hat einen 6-Mrd.-USD-Aktien-Deal genehmigt, mit dem SMIC, der grösste Auftragsfertiger des Landes und Chinas Antwort auf TSMC, die restlichen 49 Prozent seines Beijing-Foundry-Arms übernimmt. Die Mehrheit hielt SMIC bereits, jetzt werden 547,2 Mio. neue A-Aktien an fünf externe Mit-Investoren ausgegeben, der Anteil ist mit 40,6 Mrd. Yuan bewertet. Es ist die grösste M&A-Transaktion in der Geschichte des Shanghaier Star Market und legt die fortschrittlichste Wafer-Kapazität des Landes komplett unter ein gelistetes Dach. Das Beijing-Werk ist eine der wenigen Stätten, an denen die Nodes noch laufen, auf die Huawei, Cambricon und DeepSeek seit dem Nvidia-Cutoff angewiesen sind.

🇯🇵 Xi attackiert Takaichi, Trump stellt sich vor sie: Beim Beijing-Gipfel im Mai wurde Xi Jinping beim Thema Japans Aufrüstung auffallend laut und gereizt. Premierministerin Sanae Takaichi und Taiwans Lai Ching-te seien laut Xi eine Gefahr für die Stabilität in der Region. Trump hielt dagegen, verwies auf die Bedrohung aus Nordkorea und sagte Xi, Takaichi sei nicht die Art von Regierungschefin, die solche Kritik verdiene. Tokio hat gerade die Restriktionen für Rüstungsexporte gelockert und die Anti-Nuklear-Prinzipien aufgeweicht. Washington stellt sich namentlich hinter Takaichi, und die Achse Xi-Takaichi ist zur exponiertesten Frontlinie in Asien geworden.

🇰🇷 Samsung verhindert Streik in letzter Minute: Samsung Electronics und die größte Gewerkschaft haben einen vorläufigen Lohnabschluss erzielt, wenige Stunden bevor ein Streik in den DRAM- und NAND-Linien begonnen hätte. Der Deal sieht einen speziellen Halbleiter-Bonus in Höhe von 10,5 Prozent des operativen Gewinns vor sowie eine neue, an den Profit gekoppelte Bonusformel für die Chip-Sparte. Seoul stand vor einem echten Schock: Samsung-Speicher gehen an Nvidia, Apple und die chinesischen Hyperscaler. Ein mehrwöchiger Ausfall hätte mitten in der laufenden HBM-Engpasswelle Bestellungen zu SK Hynix und Micron umgeleitet.

🇮🇷 Hormus bleibt halb dicht, Asiens Öl fährt Achterbahn: Letzte Woche liefen pro Tag rund 10 Schiffe durch die Strasse von Hormus, vor der iranischen Sperrung am 28. Februar waren es 125 bis 140. Am Donnerstag gehörte ein chinesisches Containerschiff zu den wenigen Durchfahrten. Rund 20.000 Seeleute sitzen inzwischen im Golf auf hunderten festsitzenden Schiffen fest. Der Ölpreis fuhr Achterbahn: Am Mittwoch sackte Brent um 5,6 Prozent, nachdem Trump die US-Iran-Gespräche als "in der Endphase" bezeichnete, dann zog Brent am Freitag wieder an, als Teheran signalisierte, das angereicherte Uran nicht abzugeben, Schlusskurs 103,54 USD.

EBENFALLS LETZTE WOCHE

CXMT, Chinas grösster DRAM-Hersteller, meldete für das erste Quartal einen Nettogewinn von 24,7 Mrd. Yuan (3,6 Mrd. USD), ein Plus von 1.688 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Umsatz von 50,8 Mrd. Yuan (7,5 Mrd. USD).

In einer “Humanoid Robot School” der Firma RealMan Intelligent Technology in Beijing bringen Ingenieure Humanoiden echte Arbeitsaufgaben bei. Humanoide gehören in China offiziell zur Industriestrategie, gleichrangig mit E-Autos und AI.

China hat am Sonntag die Shenzhou-23 ins All geschickt, mit drei Astronauten auf dem Weg zur Raumstation Tiangong. Einer von ihnen soll ein volles Jahr im Orbit bleiben, eine der längsten Einzelmissionen, die je geflogen wurde.

Bain Capital hat den Asia Fund VI bei 10,5 Mrd. USD geschlossen, 3,5 Mrd. USD über dem ursprünglichen Zielwert von 7 Mrd. USD. Es ist die größte pan-asiatische PE-Runde seit Jahren und Signal, dass globale LPs von reiner China-Exposure auf eine Developed-Asia-Barbell über Japan, Korea, Indien und Australien umschwenken.

Hyundai erklärt die koreanische "EV-Flaute" für beendet, nachdem die EV-Nachfrage zuhause im ersten Quartal um 150,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr angesprungen ist.

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