🟠 USA verbannen China-Roboter

Asiabits News

Erst die Chips, jetzt die Roboter: Washington zieht die nächste Grenze


© Asiabits Visuals

Das Ziel dieser Maßnahme ist China. Von dort kommen rund 85 Prozent aller Humanoiden weltweit.

Vom Roboterhund bis zum Wechselrichter

Auf der Liste stehen humanoide Roboter, Roboterhunde und selbstfahrende Maschinen ab zwei Kilogramm, wenn sie Sensoren, eine Netzverbindung und eigene Steuersoftware haben. Dazu kommen Wechselrichter mit Internetzugang, also die Geräte, die Solaranlagen und Batteriespeicher ans Stromnetz anschließen.

Das Verbot trifft nur Geräte, die neu auf den amerikanischen Markt sollen. Modelle mit bestehender Zulassung bleiben im Handel. Das amerikanische Kriegsministerium kann Ausnahmen genehmigen.

Für Unitree, Chinas bekanntesten Roboterhersteller, heißt das: Der für den 12. August geplante Nordamerika-Start ist damit erledigt.

Erst das Pentagon, jetzt die Telekomaufsicht

Im Juni hatte das Pentagon Unitree bereits auf seine Liste chinesischer Militärunternehmen gesetzt, gemeinsam mit Alibaba, Baidu und BYD. Seitdem darf das amerikanische Verteidigungsministerium keine Verträge mehr direkt mit diesen Firmen abschließen.

Dazu kommt eine Schwachstelle, die Sicherheitsforscher vor knapp einem Jahr öffentlich gemacht haben. Über die Bluetooth-Schnittstelle lässt sich die volle Kontrolle über Unitrees Roboter übernehmen, und ein befallenes Gerät steckt weitere in seiner Reichweite an.

Die FCC begründet ihren Schritt mit verwundbaren Lieferketten und Risiken für kritische Infrastruktur.

Amerikas Polizei kauft chinesisch

Ein Roboterhund von Unitree kostet unter 3.000 Dollar. Die Polizei von Los Angeles zahlte für ein Gerät von Boston Dynamics 277.918 Dollar.

Entsprechend sieht die Kundenliste aus. Polizeidienststellen in Florida, Washington, Kansas und Oregon haben chinesische Roboterhunde angeschafft, die US Army vier Stück für über 60.000 Dollar. Unitree ist dabei nie selbst in den USA aufgetreten, sondern hat über lizenzierte Händler verkauft.

Einen amerikanischen Hersteller, der zu diesen Preisen liefert, gibt es bislang nicht.

Unitree geht unterdessen an die Börse. Der Gang an die Shanghaier Technologiebörse soll 619 Millionen Dollar einbringen, bei einer Bewertung von rund 6 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr lieferte die Firma über 5.500 Humanoide aus und verdiente damit 41 Millionen Dollar.

Die Zahlungsfrist für die Zeichnung endet am 12. August, dem Tag des geplanten Nordamerika-Starts.

LIEBER SCHAUEN ALS LESEN?

Ein Unitree-Humanoid kostete vor zwei Jahren 90.000 Dollar. Heute liegt das Einstiegsmodell unter 6.000.

Neben der Story von oben geht es in der neuen Folge unserer Robotics News um genau diesen Preisverfall, 22 Minuten aus Shanghai.

Außerdem drin: BYD stellt Anfang August seinen ersten Humanoiden in die eigenen Autohäuser, zwei bis drei pro Filiale als Verkaufsberater. XPeng hat eine Fabrik nur für Roboter gebaut, 110.000 Quadratmeter, und will bis Jahresende über tausend Stück im Monat fertigen. Und Samsung hat sich den Robotik-Chef von Hyundai geholt, dem Konzern hinter Boston Dynamics, und ihm eine eigene Sparte gebaut, die direkt an den Vorstandschef berichtet.

HINTER DEN KULISSEN

24 Monate

Letzte Woche habe ich vor dem Rotary Club in Suzhou gesprochen. Der Titel: Chinas Roboter kommen. Wer baut sie?

Die Antwort ist unbequemer, als sie klingt. China stellt 90 Prozent der Permanentmagnete her, betreibt mehr als die Hälfte aller Industrieroboter weltweit und meldet mehr Humanoid-Patente an als die USA und Japan zusammen.

Nur ist die Lieferkette darunter halb fertig. Die schwierigen Teile, also die Antriebe in den Gelenken, die Getriebe und die Kraftsensoren, fertigt bislang niemand auf der Welt in großen Stückzahlen. Hier sehe ich eine Chance für deutsche Automobilzulieferer.

Aber: Lange bleibt diese Lücke nicht offen. Ich rechne mit 24 Monaten. Wer bis dahin den Fuß in die Tür bekommt, wird Zulieferer einer Industrie, die gerade erst entsteht. Danach sind die Plätze vergeben.

Unser Team weiß, welche Hersteller diese Teile suchen. Schreib uns.

UNSER CONTENT PARTNER: LIMEN CHINA

Manche Diskussionen um die “Bedrohung” durch chinesische Exporte, “China-Schock” 1.0 und 2.0, “Überkapazitäten” und “level playing field” erinnern literaturverliebte Analysten derzeit an den inneren Dialog des tragischen Helden Oblomov im russischen Roman im Kampf gegen die Mühe der Überwindung, das Tätigwerden anstelle argumentierenden Verharrens.

In den letzten Wochen haben allerdings die Weckrufe für die deutsche Wirtschaft von vielen Seiten zugenommen:

  • Immer enger getaktete ökonomische Analysen zur rasant abnehmender Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands

  • Zunehmend deutlicher werdende Stimmen und Kommentare zur strategischen Müdigkeit deutscher Wirtschaftspolitik

  • Analytisch immer fundierterer Zurückweisung Chinas der Vorwürfe, bei gleichzeitiger stoischer Umsetzung der eigenen Industriestrategie

Der Leitartikel der Woche unseres Partners Limen China | Modern China Business Intelligence, stellt die Essenz dieser aktuellen Analysen, Studien und Kommentare zusammen und bietet einen Ansatz, wie Investoren, Boards und CEOs das Übergreifen wirtschaftspolitischer Trägheit auf das eigene System verhindern.

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5 STORIES YOU MISSED LAST WEEK

🇨🇳 CXMT legt am ersten Handelstag 466 Prozent zu: Der Speicherchip-Hersteller aus Hefei ging in Shanghai an die Börse und ist seither das wertvollste Unternehmen am chinesischen Festlandsmarkt, mit 3,31 Bio. Yuan (489 Mrd. $). Eingesammelt hat CXMT 57,92 Mrd. Yuan (8,6 Mrd. $), der größte Börsengang Asiens in diesem Jahr und der zweitgrößte auf dem Festland seit der Agricultural Bank of China 2010. CXMT baut DRAM, also die Chips, in denen Smartphones und KI-Server ihre Daten zwischenspeichern, und kam 2025 auf 7,67 Prozent des Weltmarkts. Die Bewertung liegt weit über dem, was das laufende Geschäft trägt. Anleger setzen auf eine chinesische Speicherindustrie, die ohne westliche Lieferanten auskommt.

 

🇰🇷 Der Kospi macht 17,9 Prozent an einem Tag: Südkoreas Leitindex schloss am Freitag bei 6.695 Punkten, der größte Tagesgewinn seiner Geschichte. Samsung und SK Hynix legten jeweils fast 30 Prozent zu. Vorausgegangen war ein Absturz: In den drei Tagen davor hatte der Index über 17 Prozent verloren, weil Anleger Technologiewerte abstießen, aus Sorge vor einer KI-Blase und wegen der Konkurrenz aus China. Ausgelöst hat die Wende Microsoft mit Quartalszahlen, die über den Erwartungen lagen. Die Börse Seoul stoppte zwischenzeitlich den computergesteuerten Handel, um den Markt zu beruhigen. Zwei Chipwerte reichen inzwischen aus, um den gesamten Index zweistellig zu bewegen.

 

🇰🇷 Samsung: Rekord bei den Chips, erster Verlust beim Handy: Der Konzern meldete für das zweite Quartal den höchsten Umsatz und den höchsten operativen Gewinn seiner Geschichte, ein Plus von 1.814 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Fast der gesamte Gewinn stammt aus der Halbleitersparte. Die Handysparte dagegen schrieb zum ersten Mal überhaupt einen operativen Verlust, obwohl sich das Galaxy S26 gut verkauft. Verantwortlich ist derselbe KI-Boom: Die Bauteile sind so teuer geworden, dass für das Handygeschäft keine Marge mehr bleibt. Die Chipsparte ist damit zum teuersten Lieferanten der eigenen Handysparte geworden.

 

🇨🇳 China stellt sechs der zehn innovativsten Roboter-Startups: Die Rechtsdatenbank LexisNexis hat die weltweiten Patente zu humanoiden Robotern ausgewertet. Sechs der zehn innovativsten Startups der Branche sitzen in China, die ersten fünf Plätze gehen komplett nach Shanghai, Shenzhen und Hangzhou. Bei der Software, die den Roboter steuert, haben chinesische Erfinder in zehn Jahren fünfmal so viele Patente angemeldet wie zuvor. Interessant wird es bei der Gewichtung: LexisNexis schaut auch, wie oft andere Erfinder ein Patent aufgreifen und in wie vielen Ländern es angemeldet ist. Die USA liefern quantitativ gemessen 5 Prozent dieser Patente, qualitativ 11 Prozent.

 

🇨🇳 Dongfeng zeigt eine Ladesäule mit 1.500 Kilowatt: Der staatliche Autobauer stellte einen Prototyp vor, der sich auf 2,4 Megawatt erweitern lässt und damit BYDs Schnellladesystem erreicht. Zum Vergleich: Ein Schnelllader an europäischen Autobahnen liegt bei 300 bis 350 Kilowatt. Gleichzeitig präsentierte Dongfeng seinen ersten Kilovolt-Antrieb mit 300 Kilowatt Spitzenleistung, der 30 Prozent kompakter baut als sein Vorgänger. Beides soll in Epicland laufen, der Premiummarke, die Dongfeng gemeinsam mit Huawei aufbaut. In China entscheidet die Ladezeit inzwischen mit darüber, welches Auto sich verkauft.

AUCH LETZTE WOCHE


🇮🇳 Elevation Capital schließt einen Fonds über 500 Mio. $ für indische KI-Startups. Der neunte Indien-Fonds der Firma zielt auf Seed- und Series-A-Runden und kommt vier Jahre nach dem Vorgänger über 670 Mio. $. Zusammen mit einem Late-Stage-Vehikel über 400 Mio. $ stehen damit 900 Mio. $ bereit. Indiens KI-Gründer bekommen frisches Geld, während der breite Wagniskapitalmarkt des Landes schrumpft.

 

🇨🇳 PsiBot sammelt knapp 100 Mio. $ bei einer Bewertung von 1,48 Mrd. $ ein. Angeführt hat die Runde der Autobauer Chery, womit das Pekinger Startup zum 22. chinesischen Einhorn für verkörperte KI in diesem Jahr wird. Schon wieder kauft sich ein Autohersteller in die Robotik ein.

 

🇸🇬 Die Singapurer Prämienplattform Bundle holt 5,5 Mio. $ in einer Pre-Seed-Runde. Ethereal Ventures und Further Ventures führen die Runde gemeinsam an, das Geld geht in den Markteintritt in Singapur, auf den Philippinen und in Vietnam. Südostasiens Startup-Finanzierung floss zuletzt fast vollständig nach Singapur, dieser Deal ist ein weiterer Beleg dafür.

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